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Freisetzungsversuch mit transgenem Weizen

Versuchsstation

Kleinparzellen Freisetzungsversuch mit transgenen KP4-Weizen Varietäten

Am 15. November 2000 reicht das Institut für Pflanzenwissenschaften der ETH Zürich beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) das Gesuch für einen Freisetzungsversuch in Eschikon ein. Der gleiche Versuch wurde schon zweimal in der Vegetationshalle der eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL) durchgeführt und erbrachte nicht die gewünschten Resultate.

Obwohl sich Betroffene aus der Gemeinde Lindau sowie Bauern- und Umweltverbände dagegen wehren, wird der Versuch im Frühjahr 2004 durchgeführt.

Widerstand

Am 21. Februar 2001 führen die ETH und das BUWAL eine Informationsveranstaltung in der betroffenen Gemeinde Lindau durch. Die Veranstaltung wird von vielen Lindauerinnen und Lindauern besucht. Im Anschluss an die Informationsveranstaltung organisieren sich kritische Anwohnerinnen und Anwohner und sammeln über 700 Protest-Unterschriften in Lindau und Umgebung. Die Unterschriften werden beim BUWAL eingereicht.

Ablehnung durch das BUWAL

Am 20. November 2001 lehnt das BUWAL das Gesuch mit ausführlicher und schlüssiger Begründung ab.

Die ETH gibt nicht auf

Ende 2001 legt die ETH beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) Beschwerde gegen den Entscheid des BUWAL ein. Am 12. September 2002 heisst das UVEK die Beschwerde aus formaljuristischen Gründen gut und weist das Geschäft ans BUWAL zurück, mit der Anweisung das Gesuch zu bewilligen.

Erste Bewilligung durch das BUWAL

Das BUWAL folgt den Anweisungen des UVEK und bewilligt das nur unwesentlich nachgebesserte Gesuch am 20. Dezember 2002.

Juristereien I

Am 30. Januar 2003 reichen betroffene Bauern und die Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" unterstützt von IP-Suisse und Greenpeace Beschwerde gegen die Bewilligung beim UVEK ein. Das UVEK entzieht der Beschwerde am 21. Februar 2003 die aufschiebende Wirkung, worauf das Verfahren am 3. März ans Bundesgericht weitergezogen wird. Am 12. März gesteht das Bundesgericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung wieder zu und stellt schwerwiegende Verfahrensmängel fest. Der Gentech-Weizen darf nicht ausgesät werden.

Die ETH zwängt weiter

Am 22. Juli 2003 wird das Gesuch der ETH erneut im Bundesblatt publiziert. Betroffene Bauern und die Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" erheben am 15. September 2003 Einsprache.

Zweite Bewilligung durch das BUWAL

Am 30. Oktober 2003 bestätigt das BUWAL zwar die potenzielle Gefährlichkeit des KP4-Weizens, bewilligt aber den Freisetzungsversuch der ETH Zürich trotzdem.

Juristereien II

Am 27. Februar 2004 werden die Beschwerden gegen die Bewilligung vom UVEK abgewiesen. Der Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" wird das Beschwerderecht aberkannt.

Protest-Fest

Am 6. März 2004 findet ein von der Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" und Greenpeace organisiertes Protest-Fest statt. In Sichtweite des Versuchsgeländes treffen sich trotz schlechten Wetters mehrere hundert Gegnerinnen und Gegner zu einem friedlichen Protest.

Die Besucher erhalten die Gelegenheit, ihre Meinung auf farbige Fahnen, welche anschliessend auf dem Festplatz gehisst werden, zu schreiben. Die Gruppe "Baldrian" sorgt für den musikalischen Rahmen. Videos mit Stimmen von Gegnerinnen und Gegnern aus der ganzen Schweiz und Dokumentarfilme zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft ergänzen das Programm. Die Polizei bewacht das Versuchsgelände mit Einsatzkräften in Kampfmontur.

Der Versuch beginnt

Am 18. März 2004 wird der Gentech-Weizen, vor Ablauf der Rekursfrist beim Bundesgericht, ausgesät. Das Versuchsgelände wird mit Kameras überwacht, nachts werden zusätzlich Wachen mit Hunden eingesetzt.

Besetzung

Am 26. März 2004 besetzen ca. 45 Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace das Versuchsgelände, wo sie trotz eisiger Kälte einen Tag ausharren. Der Versuch wird nicht beschädigt.

Achtung Gentechzone

In der Nacht des 26. April 2004 werden in der Gemeinde Lindau Ortsschilder mit "Achtung Gentechzone" beschriftet. Die gleichen Texte werden auch auf die Strassen der Gemeinde gemalt. Durch einen Sondereinsatz der Gemeindearbeiter sind die Ortsschilder schon am Vormittag wieder im Originalzustand.

Mai Bummel

Am 1. Mai 2004 nehmen über fünfzig Personen an einem Picknick ausserhalb des Versuchsgeländes teil. Wieder wird das Gelände durch ein Polizeiaufgebot vor den meist aus Familien bestehenden Protestierenden geschützt. Sogar ein Helikopter wird eingesetzt.

Protestcamp Nord

Im Anschluss an den Maibummel errichten Umweltschützerinnen und Umweltschützer nördlich des Versuchsgeländes ein Zeltlager. Die ETH reagiert nervös und es kommt zu häufigen Polizeikontrollen. Die Bewohnerinnen und Bewohner lassen sich dadurch nicht einschüchtern und bleiben.

An Pfingsten wird das Camp von Betrunkenen überfallen. Die sonst übereifrige Polizei will nicht einschreiten, kommt dann aber doch noch rechtzeitig um die Randalierer zu erwischen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Camps verzichten auf eine Anzeige.

Aufgrund eines Räumungsbefehls muss das Camp Ende Juni aufgelöst werden. Das Wahrzeichen des Camps, ein Tipi, hätte eine Baubewilligung gebraucht, da es über drei Meter hoch ist. Offenbar ist den Behörden jedes Mittel recht um die unbequemen Beobachter loszuwerden.

Protestkundgebung der Bio-Bauern

Am 6. Juni 2004 veranstalten Bio-Bauern eine Protestkundgebung in der Nähe des Versuchsgeländes. Die Veranstaltung wird in einem Zelt durchgeführt, da die nahegelegene Landwirtschaftsschule Strickhof ihre Halle nicht zur Verfügung stellt.

Mehr als tausend Personen aus der ganzen Schweiz nehmen an der Kundgebung teil, sechshundert von ihnen unterschreiben eine Petition an den Bundespräsidenten. Das Versuchsgelände darf nicht besichtigt werden, es wird wieder einmal durch ein massives Polizeiaufgebot abgeriegelt.

Neben kulinarischen Genüssen aus biologischer Produktion erhalten die Anwesenden auch geistige Nahrung. Rednerinnen und Redner aus Politik und Wissenschaft, sowie ein Bauer aus Deutschland der negative Erfahrungen mit Gentechpflanzen gemacht hat, informieren das interessierte Publikum.

Kundgebung der "Gentechfreunde"

Am 10. Juli 2004 besuchen Freunde der Gentechnik das Versuchsgelände und verleihen ihrer Begeisterung für den Versuch Ausdruck.

Ende des Freisetzungsversuchs

Am 14. Juli 2004 werden die Pflanzen auf dem Versuchsgelände entfernt. Was genau mit ihnen passiert ist unklar. Entgegen der Zusage des Versuchsleiters Dr. Sautter wird die Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" nicht über den Termin informiert und kann deshalb nicht überprüfen ob alles vorschritftsgemäss abgeläuft.

Wo sind die Resultate

Am 11. März 2005 findet an der ETH eine Fachtagung zum Thema Gentechnik statt. Dr. C. Sautter referiert über "Gentechnik - nach Lindau". Eine Abordnung der Arbeitsgruppe "Lindau gegen Gentech-Weizen" verteilt Flugblätter und fordert die ETH auf, endlich die versprochenen Resultate der Sicherheitsforschung zu veröffentlichen.

Ergebnisse des Feldversuchs

Am 8. September 2005 orientiert die ETH die Presse über die Resultate des Versuchs. Der Versuch wird als Erfolg dargestellt, obwohl die Stinkbrandresistenz des Gentech-Weizens nur gerade 10% beträgt. Gleichentags wird in einem Beitrag von SFDRS gezeigt, dass die Stinkbrandresistenz einer konventionell gezüchteten Weizensorte viel höher ist.

Die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Lindau werden eine Woche später informiert.

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